Archivierte Themen: 1 Deontologie

1 Deontologie

V1 Online-Vorlesungen

Zu diesem Thema habe ich zwei Vorlesungen bereit gestellt: "Der gute Wille" (V1.1) und "Der kategorische Imperativ" (V1.2)

G1 Gespräche

Ich biete hermeneutische, also auf die Erschließung und Deutung eines Textes zielende Gespräche (G1.1) zu folgenden Texten aus der Textsammlung an:
  • T1, Niccolò Machiavelli, "Grausamkeit und Unehrlichkeit der Fürsten"
  • T2, Immanuel Kant, "Der gute Wille"

Außerdem biete ich diskursive, also eine philosophische Frage erörternde Gespräche (G1.2) zu folgenden Themen an:
  • Das Dilemma an der Straßenbahnweiche - the trolley-problem
  • Welche Bedeutung sollten persönliche Tugenden und Moral in der Politik haben?
  • "Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet ..., sondern alleine durch das Wollen, das heißt an sich gut" - Kannst du dieser These Immanuel Kants zustimmen?

A Aufsatz

Die obligatorische eigene, produktive Leistung zum diesem Thema besteht darin, einen Aufsatz von wenigstens 300 W zu einer der folgenden Fragestellungen zu verfassen:

Q Quiz mit Socrative

Das Quiz fragt alle in meinen Vorlesungen behandelten Begriffe und Theorien ab. Die Auseinandersetzung mit den Zusatzmaterialien ist für ein Bestehen des Quizzes nicht erforderlich, hilft aber gewiss, sich die ethische Theorie Immanuel Kants besser einzuprägen.

Z Zusatzmaterialien

Auf Youtube findet ihr wertvolle Video zu diesem Thema:
  • BBC 4: Kant's Axe (Video in Englisch)
  • SF Kultur, Sternstunden Philosophie: Verstehen Sie Kant? (Video auf Deutsch, ab ca. 25:00 min. geht es um Kants Ethik)

F Folien

Die Folien, die in den Vorlesungen eingeblendet worden sind, können hier als PDF heruntergeladen werden. Neben den Folien ist Raum für Anmerkungen. Wer die Folien ausdruckt und mit seinen eigenen Anmerkungen versieht, hat eine optimale Prüfungsvorbereitung.

Aufsatzthema: Die vier Fallbeispiele in der GMS



Dem Text T4 in der Textsammlung können Sie die vier Fallbeispiele entnehmen, die Immanuel Kant selbst zur Erklärung und – wie er glaubte – Verdeutlichung seines kategorischen Imperatives entwickelt hat.
Die Plausibilität dieser Fallbeispiele ist seither immer wieder bestritten worden. Während die Argumentation im Falle des „lügenhaften Versprechens“ und des „Egoisten“ im Allgemeinen als schlüssig anerkannt wird, ist es sehr fraglich, ob Kant wirklich mithilfe des kategorischen Imperatives nachweisen kann, dass der „Lebensüberdrüssige“ und der „Südseebewohner“ unmoralisch handeln.
Analysieren Sie alle vier Argumentationen – eine Rekapitulation der Fallbeispiele ist dabei keinesfalls erforderlich – und nehmen Sie begründet Stellung zu der Frage, ob eine schlüssige ethische Argumentation gegen die Selbsttötung, die Lüge, die Verwahrlosung und den Egoismus geleistet worden ist.

Aufsatzthema: Freiheit und Würde



An der Diskussion des Fallbeispiels „The trolley-cart“ haben Sie gesehen, dass aus Immanuel Kants Sicht nicht das Leben bzw. das Glück der Beteiligten den Ausschlag gibt, wenn zu entscheiden ist, ob ein Mensch für fünf andere zu opfern sei. Vielmehr bewährt sich moralisches Handeln im Rahmen seiner Ethik daran, dass es die Freiheit  aller Beteiligten unter allen Umständen gewährleistet. Die Freiheit von uns Menschen ist in vielfältiger Weise bedroht:

·         Durch Anwendung von Gewalt und Zwangsmitteln beschränken andere Menschen möglicherweise unsere Handlungsfreiheit.
·         Einschüchterung, Terror und Folter bedrohen unsere Willensfreiheit.
·         Zensur und Propaganda bedrohen unsere Meinungs- und Gedankenfreiheit.

Aus Kants Sicht ist die Freiheit allerdings nicht automatisch in Gefahr, wenn irgendwelche Umstände das Leben, die Gesundheit, den Besitz und das Glück von Menschen beeinträchtigen. Gerade diese Werte sind uns jedoch heute sehr wichtig, teilweise vielleicht sogar wichtiger als unsere Freiheit. So ist es zu erklären, dass die deontologische Beurteilung des Gedankenexperiments „The trolley-cart“ eventuell nicht mit unseren moralischen Intuitionen übereinstimmt.

Vergleichbar mit der Situation im Gedankenexperiment ist eine politisch-juristische Diskussion aus dem Jahre 2005. Unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA war in Deutschland die Frage aufgekommen, ob ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug, das sich offensichtlich auf Kollisionskurs mit einer dicht besiedelten Stadt befände, von der Luftwaffe abgeschossen werden dürfe; dabei würde das Leben der Passagiere bewusst geopfert. Die entsprechende gesetzliche Norm (§ 14 Abs. 3 LuftSiG) wurde vom Bundesverfassungsgericht für mit der Menschenwürde unvereinbar und daher für nichtig erklärt.

Diskutieren Sie anhand der genannten oder eines selbst gewählten Beispieles, welchen Stellenwert Freiheit und Würde gegenüber anderen Zielen des politischen und zwischenmenschlichen Handelns, wie Leben, Gesundheit und Glück, haben sollten.

Aufsatzthema: Macchiavelli heute



Das Verfolgen persönlicher Ziele wie Wohlstand, Gesundheit, Sicherheit und familiären Glücks steht auch heute in einem Spannungsverhältnis zu moralischen Erwägungen. Diese Spannung müssen einfache Bürger ebenso ertragen und durch ihre biographischen Entscheidungen gestalten wie prominente Personen. Für Prominente mit politischer oder wirtschaftlicher Verantwortung ist jedoch zusätzlich zu bedenken, dass eine Steigerung ihrer Macht nicht nur einen persönlichen Fortschritt bedeutet, sondern ihnen auch die Möglichkeit gibt, diese gesteigerte Macht im Interesse anderer Menschen einzusetzen – was natürlich nicht ausschließt, dass eine solche Legitimation von Machtstreben eine bloße Ausrede sein mag.

Erwägen Sie folgenden Fall: Der Präsident eines demokratischen Staates möchte im Interesse der wirtschaftlich schwächeren Bürger eine verpflichtende und alle Bürger umfassende Krankenversicherung einführen. Sein Plan stößt auf heftigen Widerstand seiner politischen Gegner, welche die Kosten einer solchen Krankenversicherung als Hauptargument für ihren Widerstand anführen. Um seinen Plan doch politisch durchsetzen zu können und damit auch seine Wiederwahl zur zweiten Amtsperiode zu sichern, beauftrag der Präsident ein Wirtschaftsforschungsinstitut, eine Expertise auszuarbeiten und zu veröffentlichen, die die absehbaren Kosten drastisch herunterspielt.

Arbeiten Sie heraus, in welcher Hinsicht demokratisch legitimierte Politiker unserer Zeit mit den „Fürsten“, für die Niccolò Machiavelli sein Werk „Il Principe“ verfasste, vergleichbar sind und welche grundsätzlichen Unterschiede Sie sehen.
Nehmen Sie dann begründet anhand eines geeigneten Beispiels Stellung dazu, ob sich Politiker in ihren Entscheidungen von moralischen Erwägungen leiten lassen sollten, oder ob der von Machiavelli propagierte amoralische Zweckrationalismus die bessere Wahl wäre.