An der Diskussion des Fallbeispiels „The trolley-cart“ haben
Sie gesehen, dass aus Immanuel Kants Sicht nicht das Leben bzw. das Glück der
Beteiligten den Ausschlag gibt, wenn zu entscheiden ist, ob ein Mensch für fünf
andere zu opfern sei. Vielmehr bewährt sich moralisches Handeln im Rahmen
seiner Ethik daran, dass es die Freiheit
aller Beteiligten unter allen Umständen gewährleistet. Die Freiheit von
uns Menschen ist in vielfältiger Weise bedroht:
·
Durch Anwendung von Gewalt und Zwangsmitteln
beschränken andere Menschen möglicherweise unsere Handlungsfreiheit.
·
Einschüchterung, Terror und Folter bedrohen
unsere Willensfreiheit.
·
Zensur und Propaganda bedrohen unsere Meinungs-
und Gedankenfreiheit.
Aus Kants Sicht ist die Freiheit allerdings nicht automatisch
in Gefahr, wenn irgendwelche Umstände das Leben, die Gesundheit, den Besitz und
das Glück von Menschen beeinträchtigen. Gerade diese Werte sind uns jedoch
heute sehr wichtig, teilweise vielleicht sogar wichtiger als unsere Freiheit.
So ist es zu erklären, dass die deontologische Beurteilung des Gedankenexperiments
„The trolley-cart“ eventuell nicht mit unseren moralischen Intuitionen
übereinstimmt.
Vergleichbar mit der Situation im Gedankenexperiment ist
eine politisch-juristische Diskussion aus dem Jahre 2005. Unter dem Eindruck
der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA war in Deutschland die
Frage aufgekommen, ob ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug, das
sich offensichtlich auf Kollisionskurs mit einer dicht besiedelten Stadt befände,
von der Luftwaffe abgeschossen werden dürfe; dabei würde das Leben der
Passagiere bewusst geopfert. Die entsprechende gesetzliche Norm (§ 14 Abs. 3
LuftSiG) wurde vom Bundesverfassungsgericht für mit der Menschenwürde
unvereinbar und daher für nichtig erklärt.
Diskutieren Sie
anhand der genannten oder eines selbst gewählten Beispieles, welchen Stellenwert
Freiheit und Würde gegenüber anderen Zielen des politischen und
zwischenmenschlichen Handelns, wie Leben, Gesundheit und Glück, haben sollten.