Aufsatzthema: Macchiavelli heute



Das Verfolgen persönlicher Ziele wie Wohlstand, Gesundheit, Sicherheit und familiären Glücks steht auch heute in einem Spannungsverhältnis zu moralischen Erwägungen. Diese Spannung müssen einfache Bürger ebenso ertragen und durch ihre biographischen Entscheidungen gestalten wie prominente Personen. Für Prominente mit politischer oder wirtschaftlicher Verantwortung ist jedoch zusätzlich zu bedenken, dass eine Steigerung ihrer Macht nicht nur einen persönlichen Fortschritt bedeutet, sondern ihnen auch die Möglichkeit gibt, diese gesteigerte Macht im Interesse anderer Menschen einzusetzen – was natürlich nicht ausschließt, dass eine solche Legitimation von Machtstreben eine bloße Ausrede sein mag.

Erwägen Sie folgenden Fall: Der Präsident eines demokratischen Staates möchte im Interesse der wirtschaftlich schwächeren Bürger eine verpflichtende und alle Bürger umfassende Krankenversicherung einführen. Sein Plan stößt auf heftigen Widerstand seiner politischen Gegner, welche die Kosten einer solchen Krankenversicherung als Hauptargument für ihren Widerstand anführen. Um seinen Plan doch politisch durchsetzen zu können und damit auch seine Wiederwahl zur zweiten Amtsperiode zu sichern, beauftrag der Präsident ein Wirtschaftsforschungsinstitut, eine Expertise auszuarbeiten und zu veröffentlichen, die die absehbaren Kosten drastisch herunterspielt.

Arbeiten Sie heraus, in welcher Hinsicht demokratisch legitimierte Politiker unserer Zeit mit den „Fürsten“, für die Niccolò Machiavelli sein Werk „Il Principe“ verfasste, vergleichbar sind und welche grundsätzlichen Unterschiede Sie sehen.
Nehmen Sie dann begründet anhand eines geeigneten Beispiels Stellung dazu, ob sich Politiker in ihren Entscheidungen von moralischen Erwägungen leiten lassen sollten, oder ob der von Machiavelli propagierte amoralische Zweckrationalismus die bessere Wahl wäre.